Oben im Bild (v. l. n. r.): Daniel Eid (Projektmanagement), Dr. Christoph Gottanka (Vorstand), MdB Thomas Erndl, MdB Günter Baumgartner, Wolfgang Laumer (Marketing)
Wie lassen sich Bundeswehr- und Infrastrukturprojekte schneller auf den Weg bringen? Darüber diskutierten die Bundestagsabgeordneten Thomas Erndl und Günter Baumgartner bei ihrem Besuch der COPLAN AG. Im Mittelpunkt standen Vergabeverfahren, behördliche Prüfprozesse und die Frage, welche Strukturen Planung beschleunigen können, ohne an Qualität einzubüßen.
Die angekündigten Investitionen in Verteidigung und Infrastruktur stellen Deutschland vor eine gewaltige Aufgabe. Doch zusätzliche Mittel allein führen noch nicht zu gebauten Projekten. Bevor ein Gebäude, eine Straße oder eine militärische Infrastrukturmaßnahme realisiert werden kann, müssen Planungsleistungen vergeben, zahlreiche Fachdisziplinen koordiniert und Entscheidungen getroffen werden.
Aus Sicht der Planungsbranche liegt genau hier erhebliches Potenzial für mehr Geschwindigkeit. Darüber sprach Dr. Christoph Gottanka, Vorstand der COPLAN AG und Vorsitzender des VBI-Landesverbands Bayern, mit den Bundestagsabgeordneten Thomas Erndl und Günter Baumgartner.
Ein runder Tisch statt vieler nacheinander geschalteter Prüfungen
Als Generalplaner für Industrie und Öffentliche Hand arbeitet COPLAN mit unterschiedlichen Auftraggebern und Vergabemodellen. Ein besonders effizienter Ansatz zeigt sich nach Erfahrung des Unternehmens bei Projekten für das Ingenieurkorps der US Army, das seit Jahrzehnten zum Kundenstamm von COPLAN zählt.
Das US Army Corps of Engineers (USACE) organisiert die Planung von Bauprojekten nicht als durchgehend linearen Prozess, bei dem eine Planungsstufe vollständig abgeschlossen und anschließend von einer anderen Stelle geprüft wird. Kennzeichnend ist vielmehr ein integrierter Project-Delivery- und Review-Prozess, bei dem Nutzer, Planer, Projektmanagement, technische Prüfer, Bauausführung, Vergabe und gegebenenfalls weitere Fachstellen bereits während der Planung wiederholt zusammengeführt werden.
Bei Bundesprojekten erfolgen Prüfungen dagegen häufig getrennt durch unterschiedliche Fachstellen. Stellungnahmen und Ergebnisse werden anschließend nacheinander – linear – abgearbeitet. Dadurch können sich einzelne Planungsphasen nach den Erfahrungen aus der Projektpraxis über sechs, neun oder noch mehr Monate erstrecken.
Für Dr. Gottanka liegt ein wesentlicher Hebel nicht darin, fachliche Prüfungen zu reduzieren, sondern sie besser miteinander zu verzahnen.
Charrette als erprobtes Modell
Dass ein solcher Ansatz auch in Deutschland funktionieren kann, zeigt ein Projekt aus der Vergangenheit. Bereits Anfang der 2000er Jahre setzte das Staatliche Bauamt Amberg-Sulzbach beim Umbau von Camp Normandy der US Army am Truppenübungsplatz Grafenwöhr gemeinsam mit COPLAN auf ein sogenanntes Charrette-Verfahren.
Dabei kommen alle Projektbeteiligten für einen konzentrierten Abstimmungs- und Entscheidungsprozess zusammen. Fragestellungen werden nicht über lange Kommunikationsketten weitergereicht, sondern unmittelbar gemeinsam geklärt. Gerade bei Camp Normandy spielte der Faktor Zeit eine entscheidende Rolle: Als fristgebundenes Startprojekt der US-Streitkräfte musste die Planung besonders effizient organisiert werden, damit sie auf den Punkt verfügbar ist. Das Verfahren bewährte sich.
Dr. Gottanka sieht deshalb Potenzial, vergleichbare Entscheidungsformate stärker für die anstehenden Bundeswehr- und Infrastrukturprojekte zu nutzen. Ganzheitlich besetzte Entscheider-Meetings könnten dazu beitragen, belastbare und abgestimmte Planungsgrundlagen früher zu schaffen.
Generalplanung kann öffentliche Auftraggeber entlasten
Neben schnelleren Genehmigungsprozessen war beim Gespräch ein zweiter Punkt entscheidend: die Struktur künftiger Vergaben.
Mit den im Zuge der Zeitenwende angekündigten Investitionen erwartet die Planungsbranche eine große Zahl zusätzlicher Projekte und damit auch zahlreiche Vergabeverfahren. Gleichzeitig sind die personellen Ressourcen der zuständigen öffentlichen Stellen begrenzt.
Dr. Gottanka plädiert deshalb dafür, häufiger Generalplanerleistungen idealerweise in Rahmenverträgen auszuschreiben. Statt zahlreiche einzelne Fachplanungsleistungen getrennt zu vergeben und anschließend auf Auftraggeberseite koordinieren zu müssen, reduzieren Gesamtplanungen diese Schnittstellen.
Dieser Ansatz entspricht der Arbeitsweise von COPLAN: Als Generalplaner bündelt das Unternehmen unterschiedliche Architektur- und Ingenieurdisziplinen, stellt projektbezogen interdisziplinäre Teams zusammen und konzentriert die Schnittstellen auf einen einzigen Ansprechpartner. Kooperationen zur Ergänzung der Disziplinen und Kapazitäten sind dabei die Regel.
Generell bieten hier Planer-Konsortien und Bietergemeinschaften für kleinere und mittlere Architektur- und Ingenieurbüros die Möglichkeit, im Zusammenschluss zusätzliche Auftragsvolumina zu akquirieren. Eine gute Chance für KMUs, sich weiter zu vernetzen, so Dr. Gottanka.
Als weiteres Instrument brachte er das Open-House-Modell ins Gespräch, bei dem alle Anbieter, die festgelegte Bedingungen erfüllen, zu gleichen Konditionen einen Vertrag abschließen können. Wenn dessen derzeitige Leistungsgrenzen ausgeweitet würden, könnte es aus seiner Sicht auch als Rahmenvertragsmodell für Planungsleistungen interessant werden. Ein Rahmenvertrag, mehrfach vergeben, viele Projekte!
„Die Planungsbranche ist fachlich vorbereitet“
Die zentrale Botschaft des Gesprächs: Die notwendigen fachlichen Kapazitäten sind in der Planungswirtschaft grundsätzlich vorhanden. Entscheidend ist, sie durch geeignete Vergabe- und Entscheidungsstrukturen möglichst effizient einsetzen zu können.
„Die Planungsbranche ist fachlich vorbereitet“, betont Dr. Christoph Gottanka. „Sie benötigt jedoch effizientere Strukturen, um die anstehenden Aufgaben ohne unnötige Verzögerungen verlässlich und zügig umzusetzen.“
Mit Günter Baumgartner und Thomas Erndl kamen dabei politische Fachperspektiven mit praktischen Erfahrungen aus Planung und Projektabwicklung. Erndl ist verteidigungspolitischer Sprecher der CDU/CSU-Bundestagsfraktion. Baumgartner gehört dem Ausschuss für Wirtschaft und Energie sowie dem Verkehrsausschuss an.
Der Austausch bei COPLAN machte deutlich: Wer die Umsetzung großer Investitionsprogramme beschleunigen will, muss nicht nur über Finanzierung und Baukapazitäten sprechen. Ebenso entscheidend ist die Frage, wie schnell aus einer Aufgabe eine abgestimmte Planung und aus einer Planung ein umsetzbares Projekt wird.