Squadron Operations Facility (SOF) in Bulgarien
Mehr als 1.500 Kilometer von Deutschland entfernt ist die Squadron Operations Facility (SOF) auf der Luftwaffenbasis Graf Ignatievo in Bulgarien nicht nur geografisch eines der am weitesten entfernten Projekte von COPLAN, sondern auch eines der markantesten.
Die Ortschaft Graf Ignatievo liegt etwa 10 km nördlich von Plowdiw. Die Luftwaffenbasis Graf Ignatievo ist die einzige Jagdflugzeugbasis in Bulgarien und zugleich eine von vier militärischen Einrichtungen im Land, die als gemeinsame bulgarisch-amerikanische Militärbasis betrieben werden.
COPLAN hat die Planung gemeinsam mit dem bulgarischen Partner Mihov & Petkov erstellt. Die Planungsarbeiten für dieses Projekt begannen im Januar 2017. Wie bei vielen großen internationalen Projekten verlief jedoch auch dieses nicht geradlinig: Im Februar 2019 wurde das Projekt von der US-Regierung vorläufig gestoppt. Erst im Februar 2022 entschied die US-Regierung, das Projekt wieder aufzunehmen. Anschließend konnten COPLAN und Mihov & Petkov die Arbeiten wieder aufnehmen und den Bauantrag beim bulgarischen Verteidigungsministerium einreichen, der im April 2023 genehmigt wurde.
Ein Aspekt, der dieses Projekt besonders interessant macht, ist das Genehmigungsverfahren in Bulgarien. Während Kolleginnen und Kollegen in Deutschland damit vertraut sind, dass statische Nachweise von einem unabhängigen Prüfingenieur überprüft werden, geht man in Bulgarien einen etwas anderen Weg. Ein vergleichbares Prüfverfahren gibt es zwar auch hier – allerdings übernimmt keine unabhängige Person diese Aufgabe, sondern eine staatliche Behörde. Diese prüft die gesamte Bauplanung im Detail und nimmt dabei nicht nur die Tragwerksplanung in den Blick, sondern ebenso die architektonischen, elektrotechnischen und haustechnischen Aspekte. Ziel ist es, sicherzustellen, dass alle Bestandteile schlüssig ineinandergreifen und das fertige Bauwerk später sicher und zuverlässig betrieben werden kann.
Die für diese umfassende Prüfung zuständige Behörde wird „Nadzor“ genannt – ein Begriff, der sich vom bulgarischen Wort für „Kontrolle“ ableitet. Wie der Name bereits andeutet, spielt sie eine zentrale Rolle bei der Sicherstellung von Qualität und Regelkonformität. Gleichzeitig bringt ihre Einbindung jedoch eine zusätzliche Ebene in den Gesamtprozess. Konkret bedeutet das: Das Projekt muss zunächst die detaillierte Prüfung des Nadzor durchlaufen und von dieser Stelle freigegeben werden, bevor es weitergehen kann. Erst nach diesem erfolgreichen Schritt beginnen die regulären Genehmigungsbehörden mit ihren eigenen Prüfverfahren. Dieses zweistufige Verfahren erhöht nicht nur die Komplexität, sondern verlängert auch den Zeitrahmen – und macht eine sorgfältige Abstimmung sowie eine vorausschauende Planung für alle Beteiligten umso wichtiger.
Vom Umfang her setzt sich das Projekt aus zwei wesentlichen Bestandteilen zusammen: der Squadron Operations Facility sowie einer Vorfeldfläche für Flugzeuge. Das Vorfeld ist rund 200 Meter lang und 70 Meter breit und bietet Platz für bis zu sechs Kampfjets. Das Gebäude der Squadron Operations Facility selbst umfasst verschiedene Funktionsbereiche, darunter Büroflächen, einen Raum für den Flight Crew Chief sowie mehrere Besprechungsräume. Ergänzt wird das Gesamtareal durch weitere Infrastruktureinrichtungen wie einen Parkplatz, ein Aggregat und einen Transformator.
Die Bauarbeiten begannen im Oktober 2024 zunächst mit der Herstellung der Vorfeldfläche. Der Start der Hochbauarbeiten für die Squadron Operations Facility war im September 2025. Nach aktuellem Stand wird mit einer Fertigstellung des Gesamtprojekts im April 2027 gerechnet.
Obwohl COPLAN und Mihov & Petkov nicht mit der Bauüberwachung beauftragt sind, bleibt das Team dem Projekt weiterhin eng verbunden. Fragen, die während der Bauphase auftreten, werden in enger Abstimmung mit allen Beteiligten geklärt. So wird sichergestellt, dass die ursprünglichen Planungsabsichten auch in der Ausführung konsequent umgesetzt werden.
Rückblickend zeigt das SOF-Projekt eindrucksvoll, was es bedeutet, an einem internationalen Baustandort fern der Heimat zu arbeiten: längere Projektlaufzeiten, unterschiedliche Genehmigungsstrukturen und eine enge Zusammenarbeit über Ländergrenzen hinweg. Gleichzeitig wird deutlich, wie entscheidend Teamarbeit und Anpassungsfähigkeit sind – Eigenschaften, die COPLANs Projekte nicht nur in Deutschland, sondern weit darüber hinaus prägen.